
Iserlohn. (MK) Wenn man als Iserlohner Hockeyreporter am heutigen Montag durch Iserlohns City schlendert, dann wird man sehr schnell auf den bisherigen Fehlstart der Iserlohn Roosters angesprochen.
In Iserlohn wird Eishockey eben „gelebt“ und die, die es mit den Roosters halten, leiden in diesen Tagen. Wieder einmal, denn der Saisonstart ist nach den ersten beiden Wochenenden für die Sauerländer alles andere als optimal gelaufen.
Individuelle Fehler wiederholen sich
Gegen Ingolstadt waren die Roosters zwei Drittel lang nicht ebenbürtig. Die Aufholjagd nach einem 0:4 Rückstand kam im Schlussdrittel zu spät. Die 3:4 Niederlage fiel dann mit einem Tor Differenz doch noch knapp aus. In Bremerhaven zeigte man sich verbessert, unterlag aber erneut knapp mit 2:1. Gegen Augsburg, wo eigentlich schon ein Sieg Pflicht war, gab man noch eine 2:0 Führung aus der Hand und verlor im Penaltyschießen 2:3. Der erste gewonnene Punkt kann nicht über zu viele Schwachpunkte hinwegtäuschen.
Am gestrigen Sonntag folgte die nächste Niederlage mit 4:0 bei Meister Berlin. Ausgerechnet das Iserlohner Eigengewächs Jonas Neffin feierte im Kasten der Eisbären seinen ersten Saisonsieg mit einem Shutout.
Keine Frage, wenn Berlin die Roosters empfängt, dann ist die Favoritenrolle mehr als klar verteilt. Es muss bei den Iserlohnern schon alles zusammenpassen und auf der Gegenseite einiges schieflaufen, wenn die Roosters in Berlin erfolgreich sein wollen.
Das Zustandekommen der Niederlage war indes ein Beleg dafür, dass bei den Schützlingen von Headcoach Stefan Nyman noch lange nicht ein Rädchen ins andere greift. Die individuellen Fehler sind zum Teil haarsträubend. Sei da Hollowells einfacher Puckverlust in eigener Überzahl an Torschütze Wiederer zum zwischenzeitlichen 2:0. Kirks Alleingang zum 3:0, bei dem er die Iserlohner Spieler wie Slalomstangen stehen ließ oder der lange Pass quer durch das Iserlohner Abwehrdrittel vor dem 4:0 durch Ronning. In Summe reicht es so nicht, um bei einem absoluten Top-Team für eine Überraschung zu sorgen.
Und da die Tabelle bekanntlich nicht lügt, stehen die Blau-weißen aktuell mit einem mickrigen Punkt auf dem letzten Platz.
Wir sind nicht an unser Potenzial herangekommen“
Headcoach Stefan Nyman wirkte direkt nach dem Spiel recht wortkarg. „Im Allgemeinen haben wir gegen ein besseres Team gespielt. Die Eisbären waren viel besser als wir! Wir sind nicht an unser Potenzial herangekommen. Ich verstehe, warum dieses Team dreimal hintereinander Meister wurde. Sie machen die Basics sehr gut, sind sehr konstant. Wir wollten das auch machen, aber konnten nicht mithalten. Sie waren das bessere Team.“
Die aktuelle Situation ist für Iserlohn nicht völlig neu. In der vorletzten Saison war man beispielsweise nach vier Spielen auch punktlos. Damals hatte man mit München, Berlin, Wolfsburg und Ingolstadt ein ähnlich schweres Auftaktprogramm. In der letzten Saison kam das Team ebenfalls erst im Herbst allmählich ans Laufen.
Verschärft wird die momentane Situation allerdings dadurch, dass die vermeintlichen Konkurrenten deutlich besser ins Punkten gekommen sind. Nürnbergs Traumstart ist sicherlich bemerkenswert, aber auch Aufsteiger Krefeld (6 Punkte), Frankfurt (7) und Augsburg (5) sind allesamt besser aus den Startlöchern gekommen. Lediglich Schwenningen steht mit zwei Zählern kaum besser da. Neuling Krefeld scheint deutlich stärker als in der Vorsaison Dresden.
Roosters offensiv zu schwach
Mit Blick auf die kommenden Spiele dürften am Donnerstag die Trauben für die Roosters in Mannheim erneut sehr hoch hängen. Mit 13 Gegentoren sieht man relativ einfach, dass der Schuh weniger in der Abwehr oder auf der Torhüterposition drückt. Die fehlende Durchschlagskraft im Sturm und im Powerplay ist allerdings eklatant. Nach dem Bremerhaven-Match bemängelte Sportchef Franz-David Fritzmeier noch die fehelende Gier. Nun ist das Bild nach vier Spielen klarer und die kurze Trainingswoche dürfte einmal mehr dazu dienen am Powerplay zu feilen und die individuellen Fehler anzusprechen. Es ist nur schwer erklärbar, warum die Mannschaft wie gegen Augsburg nach einer Führung so einbricht.
Neuer V.i.P.-Bereich bald fertig, aber die Halle bietet kaum Möglichkeiten für weitere Mehreinnahmen
Betrachtet man das große Ganze, dann ist der Standort Iserlohn ein extrem schwieriges Pflaster. Die ohnehin kleine Halle bietet kaum noch Möglichkeiten mehr Einnahmen zu generieren. Ab Mitte Oktober soll der neue V.i.P.-Bereich endlich nutzbar sein. Es ist im Vergleich zu anderen Standorten kein riesiger Zugewinn. Ein Zuwachs an Gesellschaftern ist wie bei einigen Ligarivalen in dem Maße am Seilersee auch nicht zu verzeichnen. Die Hoffnungen auf eine neue Halle oder einen Ausbau der „Puckhöhle“ am Seilersee sind eher gering. Die Machbarkeitsstudie liegt mittlerweile mit einem umfassenden Zahlenwerk vor. Man darf gespannt sein, ob sich hier wirklich Investoren finden, um den Standort langfristig zu festigen. Sei es am Standort Iserlohn oder auch im benachbarten Umfeld. Seit der Wiedereinführung von Auf- und Abstieg haben sich die Iserlohner mit jedem Klassenerhalt nur Zeit erkauft, in der man ein weiteres Jahr mehr oder weniger auf der Stelle trat. Ob es gelingt diesen Kreislauf zu durchbrechen? Wenn ja, dann wird es im Idealfall ein Marathon und kein Sprint.
Sonntag Wiedersehen mit den Krefeld Pinguinen
Spätestens am kommenden Sonntag kommt dann sportlich eine echte Standortbestimmung: Aufsteiger Krefeld gastiert dann am Seilersee. Schon im Testspiel setzten sich die Seidenstädter mit 2:3 nach Verlängerung durch. Man sollte also gewarnt sein. Die Situation ist nicht neu. Wieder einmal. Wenn man so will, hat man Routine in ähnlichen Drucksituationen.
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