
Solingen. (PM BHC) Mit viel Selbstvertrauen war der Bergische HC bei der TSV Hannover-Burgdorf angetreten.
Das zeigten die Löwen in der ersten Halbzeit auch von Anfang an. Doch in der zweiten Hälfte entglitt den Gästen das Bundesligaspiel zusehends. Gegen eine verbesserte Hannoveraner Abwehr gelang nicht mehr viel, so dass die Gäste mit 21:27 (14:13) verloren.
Ein bisschen war es das Duell der Rückkehrer. Die Hausherren boten Leif Tissier und Tim Zechel nach verletzungsbedingten Ausfällen wieder auf, beim BHC stand Gerdas Babarskas überraschend nach überstandenem Blinddarmdurchbruch wieder im Kader. Der Abwehrchef begann nicht, so dass Tom Bergner und Nico Schöttle das Deckungszentrum dicht halten sollten. Das gelang lange sehr gut. Hannover traf zwar im Tempospiel, tat sich im gebundenen Angriff aber extrem schwer.
In Kombination mit Christopher Rudeck und bei einem Siebenmeter auch Kristian van der Merwe stimmte die Deckungsleistung und legte damit den Grundstein zu einem knappen Vorsprung in der ersten Halbzeit. Zwar ließen die Gäste auch ein paar Gelegenheiten liegen, doch sie spielten im Angriff geduldig und kamen oft zu guten Chancen. Tom Bergner glich nach einem holprigen Start zum ersten Mal beim 3:3 aus, danach spielte der BHC viele Tore sehenswert heraus.
Immer wieder bedienten Sören Steinhaus und Janik Schrader Lukas Becher oder Julian Fuchs auf den Außenpositionen. Dazu nutzte Steinhaus Lücken in der TSV-Abwehr und tankte sich an den Kreis durch. Auch Fynn Hangstein hatte seinen Anteil am gefälligen Angriffsspiel, das in den letzten Minuten vor der Pause auch ohne Kreisläufer, dafür aber mit vier Rückraumspielern funktionierte. Mit 14:12 hätte es in die Halbzeit gehen können, doch die Gastgeber verkürzten noch per Siebenmeter.
Unmittelbar nach Wiederanpfiff glichen sie aus, so dass das Match wieder völlig offen war. Je mehr Minuten vergingen, desto größer wurden die Schwierigkeiten im BHC-Angriff. Bergner und Schrader brachten die Löwen noch zwei Mal in Front, aber ab der 35. Minute funktionierte dann fast gar nichts mehr. Hannover legte einen 4:0-Lauf zum 19:16 hin. Dem BHC gelangen in 25 Minuten nur noch fünf eigene Tore.
Da half auch eine gute Leistung des Torhüters und der Abwehr nicht. Gerdas Babarskas spielte sogar zehn Minuten und traf im erweiterten Tempospiel – es war ein ebenso erfreuliches wie überraschendes Comeback. Hannover setzte sich auch dank des starken Leif Tissier nach und nach ab, weil im BHC-Angriff fast nichts mehr zusammenlief. Zehn technische Fehler zählten die Trainer Arnor Gunnarsson und Markus Pütz in der zweiten Hälfte. Das Duell war frühzeitig entschieden.
Löwengebrüll – Stimmen zum Spiel
Markus Pütz: „Für uns war es etwas Pech, dass Hannover zwei verletzte Spieler zurückbekommen hat. Man hat gesehen, was Leif Tissier der Mannschaft für einen Mehrwert bringt. Deshalb geht der Sieg über das gesamte Spiel in Ordnung. Für uns sind es in der Analyse zwei unterschiedliche Halbzeiten. Wir kommen nach dem 0:2 gut rein, machen wenige technische Fehler, gehen verdient in Führung. Wir haben viele Chancen und Torhüter-Unterstützung. In der zweiten Hälfte haben wir ein komplett anderes Bild, machen unfassbar viele technische Fehler, haben große Probleme im Angriff und machen nur sieben Tore. Dann hat man keine Chance, ein Spiel auswärts zu gewinnen. Die Torhüter-Leistung war ausgeglichen. Aber Tissier macht es sehr gut, spielt den Ball unter Druck weiter. Das kriegen wir nicht kontrolliert. Und durch unsere Fehler laden wir den Gegner auch ein. Das soll aber nicht die Leistung von Hannover schmälern. Wir als Trainer müssen uns vielleicht auch an die eigene Nase fassen, dass wir zu lange mit vier Rückraumspielern agieren oder im Sieben gegen Sechs. In Summe war es ein verdienter Sieg.“
Juan Carlos Pastor: „Glückwunsch an meine Mannschaft zum Sieg. Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns nach den Spielen zuvor. Auch ein großes Dankeschön an unsere Zuschauer. Für mich war das heute ein echter Teamsieg. Oft geht um Spieler, die Tore werfen. Diesmal ist für mich aber besonders wichtig, welche Arbeit einige Spieler im Hintergrund geleistet haben. Der Schlüssel war, dass wir den BHC bei sieben Toren in der zweiten Halbzeit gehalten haben. Wir haben in Phasen gut im Angriff gespielt, aber vor allem die Arbeit in der Abwehr war entscheidend. Dadurch haben wir viele Bälle gewonnen und auch Fehler des Gegners erzwungen. Das war der Unterschied. Am Ende sind wir stabil geblieben, nachdem wir in Führung gegangen waren. Wichtig war auch, dass wir zum ersten Mal seit der Vorbereitung wieder fast mit der gesamten Mannschaft arbeiten konnten.“
Fabian Gutbrod: „In der ersten Halbzeit spielen wir gut, machen nur zwei technische Fehler und haben eine gute Wurfauswahl. In der zweiten Hälfte haben wir uns ganz viel vorgenommen, schaffen es aber im Angriff nicht mehr, in die Tiefe zu kommen und die hochprozentigen Chancen herauszuspielen. Die, die wir haben, verwerten wir nicht effektiv genug. Und wir machen dann zu viele technische Fehler. Am Ende sind 21 Tore zu wenig, um ein Spiel in der Handball-Bundesliga zu gewinnen. Trotzdem sind wir kämpferisch auf der Höhe und sind dann vielleicht auch an der Breite und der Klasse von Hannover gescheitert. Ich kann damit leben, finde, dass es etwas zu hoch ausgeht. Die Nationalmannschaftspause wollen wir nutzen – zum einen zum Regenerieren, zum anderen, um ein paar Sachen aufzuarbeiten.“
TSV Hannover-Burgdorf – Bergischer HC 27:21 (13:14)
TSV Hannover-Burgdorf: Gade, Birlehm – Tissier (3), Poulsen, Uscins (6), Heymann, Pedersen (7/5), Michaelczik (2), Edvardsson (4), Stutzke (1), Gudjonsson (3), Fischer (1), Zechel, Feise, Weber. Trainer: Juan Carlos Pastor
Bergischer HC: Rudeck, Van der Merwe – Becher (3), Da Rocha Viana, Steinhaus (4), Hangstein (4/2), Hilding, Babak, Schöttle, Babarskas (1), Bergner (4), Kooij, Schrader (1), Wasielewski (1), Bjerneld, Fuchs (3). Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz
Schiedsrichter: Marcus Hurst und Mirko Krag
Siebenmeter: 5/7 – 2/3
Zeitstrafen: 3 – 1 (Uscins, Stutzke, Feise – Schöttle)
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