
Schalksmühle. (PM Autobahn GmbH) Der Weg für den Ersatzneubau der zweiten Hälfte der Talbrücke Sterbecke ist frei.
Am Sonntag (25.1.) wurde das westliche Bestandsbauwerk erfolgreich gesprengt. „Mit dieser Sprengung gehen wir einen weiteren Schritt voran beim Brückenneubau an der A45“, sagte Elfriede Sauerwein-Braksiek anlässlich des Termins. „Die vorzeitige Fertigstellung der Teilbauwerke an der Sterbecke wie auch an der Talbrücke Rahmede zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind.“
„Drei, zwo, eins – Zündung!“ Mit diesen Worten hat der erfahrene Sprengmeister Michael Schneider auch die zweite Brückenhälfte passgenau niedergelegt. Die Brückenpfeiler knickten um 11 Uhr wie geplant ein und der 45 Meter hohe und 265 Meter lange Brückenüberbau legte sich ins vorbereitete Fallbett.
Nach der Verlegung des Verkehrs auf die erste neu gebaute Brückenhälfte – fünf Monate früher als geplant – begannen sofort die Vorarbeiten für den zweiten Sprengabbruch. Unter der Brücke wurde ein Fallbett aufgeschüttet, um den Aufprall der Brücke zu dämpfen. Der Überbau selbst wurde „geleichtert“. Das bedeutet, dass der Asphalt abgefräst, Geländer und Schutzplanken entfernt wurden. Löcher, die in die Fahrbahn gestemmt wurden, machten zudem den Fall berechenbarer. All diese Vorarbeiten dienen zudem dazu, die Baustoffe getrennt zu recyceln.
Zahlreiche Abstimmungstermine
Zwei Wochen vor dem Spreng-Termin waren auch die Experten um Sprengmeister Michael Schneider im Dauer-Einsatz an der Brücke. Die Bohrlöcher in den Pfeilern wurden mit gut 13 Kilo Sprengstoff gefüllt. Die Brückenstützen erhielten so genannte Sprengmäuler. Das bedeutet, dass die Pfeiler – vergleichbar mit dem Vorgehen beim Baumfällen – gezielt geschwächt wurden, um ihre Fallrichtung zu bestimmen. Höchste Priorität hat im Vorfeld einer Sprengung zudem das Thema Sicherheit. Zahlreiche Abstimmungstermine mit unterschiedlichen Behörden sowie Polizei und Feuerwehr sind notwendig. Mit dabei ist auch das Technische Hilfswerk, das regelmäßig bei Sprengungen die Absperrung des Sicherheitsradius übernimmt.
Nach der Sprengung machten sich unverzüglich Brückenprüfer ans Werk, um die nur wenige Zentimeter neben dem gesprengten Bauwerk stehende neue Brückenhälfte in Augenschein zu nehmen. Der Grund: Bevor der Verkehr hier wieder fließen kann, muss sichergestellt sein, dass das Bauwerk keinen Schaden genommen hatte.
In den kommenden Wochen wird nun das Baufeld für den Neubau frei gemacht. Das Abbruchmaterial wird getrennt und wiederverwertet. So wird beispielsweise Beton zu Schotter verarbeitet und auf anderen Baustellen genutzt.
Weitere Arbeiten in der Vollsperrung
Die Vollsperrung zwischen Lüdenscheid und Hagen-Süd ist für Arbeiten an der Strecke genutzt worden. Unter anderem wurden Markierungsarbeiten sowie Fahrbahnsanierungen durchgeführt.
Hintergrund:
Zahlen und Fakten rund um die Sprengung
Vor der Sprengung des östlichen Teilbauwerks, wurde die Brücke geleichtert. Das bedeutet, dass so viel Material wie möglich abgetragen wird. Asphalt wurde abgefräst, die so genannten Kappen – die seitlich betonierten Ränder der Brücke – abgestemmt.
Etwa 6000 Tonnen Brückenüberbau werden zu Boden gebracht.
Unter der Brücke wurde aus 6500 Kubikmeter Boden ein Fallbett angelegt, um den Fall der Brücke zu dämpfen. Prinzip der Sprengung: „Kollaps-Sprengung“: Der Überbau stürzt kontrolliert nach unten ab.
96 Bohrlöcher für den Sprengstoff, 13,4 Kilogramm Sprengstoff, 222 Meter Sprengschnur, die Sprengstoffmenge pro Bohrloch variiert von 124 Gramm bis max. 155 Gramm.
Die Pfeiler wurden mit so genannten Sprengmäulern versehen. Dort, wo aus dem Beton das Sprengmaul herausgestemmt wurde, knickt der Pfeiler ein.
Brückenfakten Bestandsbauwerk
Die Talbrücke wurde 1967 erbaut. Pro Fahrtrichtung gab es einen Überbau mit je 15,6 Meter Breite.
Länge: 265 Meter, sechs Stützen pro Fahrtrichtung mit bis zu 45 Meter Höhe.
Die Brücke wurde mit einer Verkehrsprognose geplant, die von 25.000 Fahrzeuge in 24 Stunden im Jahr 1980 ausging. Inzwischen ist die Belastung auf 64.000 Fahrzeuge in 24 Stunden angestiegen, davon 13.000 Lkw.
Für die Neubauphase wurde die Brückenhälfte in Fahrtrichtung Dortmund verstärkt. So konnte sie während der ersten Bauphase den gesamten Verkehr aufnehmen.
Neubau
Die Gesamtbreite der neuen Talbrücke Sterbecke beträgt 45,135 Meter. Für jede Richtung entsteht ein separates Teilbauwerk, das bereits für den sechsspurigen Ausbau der A45 in diesem Bereich vorbereitet wird. Die Überbauten sind durch einen nur 10 Zentimeter breiten Spalt voneinander getrennt.
Als Ausgleich für die Fällung der Gehölze im Baufeld wurden Ersatzflächen auf den Steilhängen der Lenne in Werdohl angelegt.
Für Fledermäuse wurden zehn Kästen und weitere zehn Kobel für Haselmäuse aufgehängt. Weitere Kästen wurden im Umfeld der Brücke platziert.
Die neuen Pfeiler – nur noch vier pro Fahrtrichtung – werden massiv gebaut. Sie stehen auf flach gegründeten Fundamenten.
Der Überbau wird als zweizelliger Hohlkasten in Spannbeton gebaut. Für Wartungsarbeiten sind die Hohlkästen begehbar.
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