BHC verpasst die Sensation knapp

Julian Fuchs – Bergischer HC Saison 25/26 – © Sportfoto-Sale (MK)

Düsseldorf. (PM BHC) Drei Minuten vor Schluss glich Sören Steinhaus das Duell gegen den SC Magdeburg noch mit einem Gewaltwurf zum 24:24 aus.

Der Bergische HC stand kurz davor, zum ersten Mal seit fünfeinhalb Jahren gegen den großen Favoriten Zählbares zu gewinnen. Doch am Ende blieb es bei einer bemerkenswerten Leistung, die die Gastgeber in der ausverkauften Mitsubishi Electric HALLE beim 25:27 (11:11) nicht veredeln konnten.

Die erste Überraschung sahen die 4000 Fans bereits beim Aufwärmen. Eloy Morante Maldonado war nach vier Monaten Verletzungspause wieder im Kader – und er kam bereits früh zum Einsatz. Weil Steinhaus nach einem Durchbruch erwischt worden war und liegen blieb, die Unparteiischen aber keine Zeitstrafe erkannten, musste er per Regel für drei Angriffe vom Feld. Morante sprang ein und sah sofort so aus, als sei er nie weggewesen. Er traf zum 8:5 und 9:6 in einem Spiel, dem der BHC bis dahin seinen Stempel aufgedrückt hatte.

Die Bergischen verteidigten extrem stark und zerstörten so das Magdeburger Offensivspiel in weiten Teilen. Obwohl Christopher Rudeck in der ersten Halbzeit lediglich drei Paraden hatte, kassierten die Löwen nur elf Gegentore. Zwar reichte es auch auf der anderen Seite des Feldes ebenfalls nur zu elf Treffern. Das lag auch daran, dass die SCM-Verteidigung auf einem gleichermaßen hohen Niveau agierte.

Für die Gastgeber wäre eine Pausenführung möglich gewesen, doch eine Zeitstrafe eröffnete den Magdeburgern den Weg zu einem 4:0-Lauf zum 11:10. Steinhaus glich aus, einen Gegenstoß ließen die Löwen wenig später liegen, so dass es ausgeglichen in die Kabinen ging.

Nach Wiederbeginn legten die Magdeburger in doppelter Überzahl vor und profitierten in dieser Phase auch von einem Stürmerfoul-Pfiff gegen Fynn Hangstein. Kritische Entscheidungen wie diese gab es im weitere Spielverlauf noch viele – und alle waren in dem extrem engen Match gleichermaßen bedeutsam. Der BHC erholte sich auch von einem 13:16-Rückstand.

Es folgte eine Phase, in der beiden Teams im Angriff viel gelang. Aron Seesing, Hangstein, Julian Fuchs, Johannes Wasielewski, wieder Fuchs und per Siebenmeter Noah Beyer trafen schnell hintereinander. Nach dem 19:21 fand dann auch der für Rudeck eingewechselte Lukas Diedrich immer besser ins Match. Er parierte gegen Elvar Jonsson sowie Gisli Kristjansson und verhalf seinem Team so zum neuerlichen Ausgleich. Eloy Morante Maldonado vollstreckte in der 49. Minute zum umjubelten 21:21.

Der BHC war nun am Drücker. Diedrich entschärfte einen weiteren Ball akrobatisch, Lars Kooij stellte auf 22:22, und Noah Beyer erzielte sogar die Führung. Diedrich hielt diese gegen Felix Claar beinahe fest, doch der Ball trudelte nach der Abwehraktion doch noch so eben ins Netz. Magdeburg blieb das Glück in dieser Phase hold. Wasielewski kassiert ein Stürmerfoul, Steinhaus soll den Ball beim Pass an den Fuß bekommen haben.

Diese Ballverluste taten weh, zumal sie weitere BHC-Vorsprünge verhinderten. Nach Claars 24:23 für den SCM glich Steinhaus wieder beherzt aus, hatte beim möglichen 25:25 aber Pech mit der Latte. Claar stellte auf 26:24 und durfte wenig später mit seinen Magdeburgern feiern. Daran änderte auch Steinhaus‘ letzter Treffer zum 25:26 55 Sekunden vor Schluss nichts mehr. Der Tabellenführer traf durch Omar Ingi Magnusson und nahm die Punkte gerade so doch noch mit nach Sachsen-Anhalt.

Steinhaus verlängert um ein Jahr

Vor dem Anpfiff hatten die BHC-Fans Grund zur Freude. Sören Steinhaus hat seinen eigentlich bis 2027 laufenden Vertrag vorzeitig um eine weitere Saison bis 2028 verlängert. „Ich freue mich sehr darüber. Mir macht es jeden Tag Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln“, sagt der Rückraumspieler. „Der Verein gibt mir das Vertrauen, und das möchte ich auf dem Feld zurückzahlen. Jetzt liegt der volle Fokus darauf, unser großes Ziel, den Klassenerhalt, klar zu machen und nächste Saison weiterhin erstklassig zu spielen.“ Fabian Gutbrod, der Sportlicher Leiter des BHC, betont: „Wir haben viele konstruktive Gespräche gehabt und sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es für Sören und für uns sehr gut ist, den Vertrag zu verlängern. Da freuen wir uns sehr darüber.“

Löwengebrüll – Stimmen zum Spiel

Bennet Wiegert: „Der BHC spielt einen guten Handball, hat ein enormes Kämpferherz und genau das, was man im Abstiegskampf benötigt. Deshalb war ich nicht überrascht, was heute hier passiert ist. Vielleicht war ich etwas überrascht, wie wir angegriffen haben. Wir haben gut verteidigt über 60 Minuten und dem BHC das Leben sehr schwer gemacht. Aber der BHC hat das genauso gut gemacht und überragend verteidigt. Gisli Kristjansson war annährend abgemeldet, Omar Ingi Magnusson hat sich extrem schwergetan. Da hat natürlich Felix Claar in seiner heutigen Verfassung geholfen. In der zweiten Halbzeit ist es uns nicht gelungen, uns abzusetzen. Dann ist der BHC im Glauben an sich selbst und seine Stärken so gut, dass er noch mal auf Unentschieden stellt. Dann kann es in beide Richtungen ausgehen. Deshalb bin ich extrem erleichtert, dass wir die zwei Punkte mit nach Magdeburg nehmen, weiß aber, dass nicht viel gefehlt hat, um Punkte zu verlieren. Man muss einfach auch anerkennen, wenn der Gegner einem das Leben so schwer wie nur möglich macht. Wir haben heute mit dem BHC eine Mannschaft getroffen, die uns in ihrer Abwehr in vielen Zweikämpfen fantastisch verteidigt hat. Das gilt es anzuerkennen. Trotzdem kann ich mir vorstellen, wie der BHC sich gerade fühlt, weil nicht viel gefehlt hat, um Punkte im Abstiegskampf einzufahren.“

Markus Pütz: „Am Ende kann es in beide Richtungen kippen. Kleinigkeiten lassen das Pendel ausschlagen. Wir werfen an die Latte, kriegen einen unglücklichen Pfiff mit einem Fußspiel. Dann macht es Magdeburg sehr gut und abgeklärt. Wir wissen, wenn beide Mannschaften ihre Leistungen bringen, haben wir keine Chance. Deshalb mussten wir überperformen. Wir sind mit vielen Dingen zufrieden – gerade mit der Startphase. Wir halten den Abstand bei drei Toren bis zum 10:7. Dann bricht uns die doppelte Unterzahl zu Beginn der zweiten Halbzeit ein bisschen das Genick. Wir kämpfen uns durch Paraden von Lukas Diedrich zurück und verlieren am Ende unglücklich. Für uns war es wichtig, dass wir auf uns gucken. Wir wollten eine Entwicklung im Vergleich zum Hinspiel sehen, in dem wir 37 Minuten gut mithalten, aber dann mit neun Toren Unterschied verlieren. Da sind wir auf einem guten Weg. Trotzdem brauchen wir Punkte. Heute wäre es Bonus gewesen. Im nächsten Spiel in Hamburg soll es dann gelingen. Wir brauchen Punkte, um in der Liga zu bestehen, und wissen, dass wir nicht weit weg sind.“

Fabian Gutbrod: „Es ist schade, weil wir ein sehr gutes Spiel machen und im Prinzip 60 Minuten auf Augenhöhe sind. Vor allem in der Abwehr verteidigen wir eigentlich alles weg und lassen wenig zu. Wir haben Magdeburg viel abverlangt. Auch mit ein bisschen Abstand fühlt sich unsere Niederlage nicht gut an. Wir haben es fantastisch gemacht, hatten eine tolle Unterstützung von den Rängen und bekommen Leistung auf allen Positionen. Wir kriegen 27 Tore, obwohl wir nicht die außergewöhnliche Torhüter-Leistung wie in den vergangenen Spielen hatten. Das sagt viel über unsere Abwehr aus. Wir haben zwei Pfostenwürfe, auch zwei unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen gegen uns in den letzten paar Minuten. Deshalb nervt das schon sehr, weil wir den SC Magdeburg da hatten, wo wir ihn haben wollten.“

Bergischer HC – SC Magdeburg 25:27 (11:11)
Bergischer HC: Rudeck, Diedrich – Beyer (7/6), Becher (1), Schöttle, Hangstein (2), Steinhaus (3), Morante Maldonado (3), Babak, Babarskas, Kooij (1), Seesing (1), Thiele, Wasielewski (4), Voss-Fels, Fuchs (3). Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz
SC Magdeburg: Ferrer (1), Mandic – Musche (3), Claar (10), Zehnder, Kristjansson (2), Pettersson (2), Magnusson (9/6), Hornke, Jonsson, Weber, Lagergren, Mertens, Saugstrup, O’Sullivan, Bergendahl. Trainer: Bennet Wiegert
Schiedsrichter: Lucas Hellbusch und Darnel Jansen
Siebenmeter: 6/6 – 6/6
Zeitstrafen: 4 – 1 (Kooij (2), Wasielewski, Seeing – Jonsson)

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