Hagen. (PM VFL) Ernüchternd fiel das Fazit von Lars Hepp nach der Niederlage seines Handball-Zweitligisten VfL Eintracht Hagen bei der HSG Nordhorn-Lingen aus: „Wir hätten ihnen gerne einen spannenderen Abend bereitet“, sagte der Trainer in Richtung der vielen Zuschauer, die den Weg zur Pressekonferenz fanden.
Zuvor hatten seine Farben in beiden Halbzeiten einen derart extremen Fehlstart hingelegt, dass ein Sieg trotz der jeweils folgenden Leistungssteigerung nahezu unmöglich war. Obwohl den Grün-Gelben nach eigenem Bekunden klar war, dass „nach der Niederlage in Essen eine Reaktion der HSG kommen würde, dass der Gegner auf Wiedergutmachungskurs war“, so Hepp exemplarisch, überrollten die Hausherren den VfL bis zur 16. Minute förmlich. Kaum wiederzuerkennen war die Eintracht in Angriff wie Defensive im Vergleich zu den beiden vorigen Partien in Emsdetten und gegen Rimpar: Hinten in dieser Phase löchrig wie ein Schweizer Käse, vor allem, da die Zweikämpfe häufig allein geführt wurden, vorne fehleranfällig wie ein neues Betriebssystem des Branchenführers, mit viel zu wenig Druck auf die gut gestaffelte Nordhorner Abwehr. „Wir haben in dieser Phase vorne wie hinten keine Mittel gefunden“, gab Hepp ernüchtert zu. Erst in der 10. Spielminute gelang den Hagenern der erste Treffer, als der trotz seines Trainingsrückstandes aufgebotene Simon Ciupinski zum 1:5 verkürzte. Es sollte nur ein Strohfeuer sein, denn die nächsten fünf Treffer gingen wieder auf das Konto der HSG. Als alles nach einer echten „Klatsche“ roch ging indes ein Ruck durch das Eintracht-Team, bis zum Pausenpfiff fing sich die Hepp-Sieben und verkürzte den Rückstand auf sechs Treffer, auch dank einiger guter Paraden von Jürgen Müller. Letztgenannten verließ nach dem Pausenpfiff allerdings ebenso Fortuna wie seine Vorderleute, erneut startete Hagen denkbar schlecht in die Halbzeit, auch wenn es diesmal nach zehn Minuten „nur“ 4:7 hieß aus Sicht der Gäste. Danach sollte zwar der VfL wieder die spielbestimmende Mannschaft sein, auch wegen eines sich steigernden Tobias Mahncke im Kasten, doch Hepp merkte nach dem Schlusspfiff berechtigt an, dass sich die Frage stellt, ob die Hausherren nun einen Gang heruntergeschaltet haben oder seine Mannschaft besser war. „Wir haben in der zweiten Halbzeit gut mitgespielt, keine Frage. Aber wir müssen die Defizite dringend bis Mittwoch dringend aufarbeiten um es im Heimspiel gegen die HG Saarlouis besser zu machen“, analysierte der Trainer. Deutlich zufriedener war naturgemäß Hepps Gegenüber Heiner Bültmann. „Wir wollten eine Reaktion zeigen – das ist uns eindrucksvoll gelungen. Wir haben super gedeckt und wenig zugelassen“, lautete sein Fazit. Bültmann unterstrich zudem, dass der Sieg keineswegs als selbstverständlich einzustufen sei: „Hagen ist ein richtig guter Gegner, vor dem wir großen Respekt hatten. Aber wir haben in der ersten Halbzeit einfach richtig gut gespielt, auch wenn wir in Unterzahl-Situationen nicht clever genug waren. Am Ende fehlte allerdings der letzte Tick Konzentration, auch wenn es letztlich nur wichtig war, dass wir die zwei Punkte holen.“
HSG Nordhorn-Lingen – VfL Eintracht Hagen 29:24 (14:8)
Eintracht: Mahncke (1.-18., 38.-60., 10/2 Paraden), Müller (19.-37., 6 Paraden); Reinarz (3/1), Strohl, Schneider, Prokopec (9/5), Friðgeirsson (6), Ciupinski (2), Tubic, Aschenbroich (1), von Boenigk, Kraus (1), Rink, Renninger (2).
HSG: Buhrmester, Bartels (bei einem Siebenmeter); Verjans (6/1), Heiny (1), Mickal (3/2), Miedema (1), Meyer (3), Rooba (5), Terwolbeck (1), de Boer (1), Wiese (7), Madsen (1).
Stimmen zum Spiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen
Der offensichtlichste Grund für die 24:29-Niederlage bei der HSG Nordhorn-Lingen lag für die Akteure des VfL Eintracht Hagen auf der Hand: Die Grün-Gelben verschliefen jeweils den Start in die Halbzeit. Auf der Rückfahrt nach Hagen begannen die Mannen von Trainer Lars Hepp bereits das Geschehene aufzuarbeiten – und blickten zudem auf die anstehenden Aufgaben.
Nicht nur unzufrieden über den Auftritt des Teams, sondern auch selbstkritisch präsentierte sich Rückraumspieler Sebastian Schneider (29), sonst einer der Haupttorschützen des VfL, der diesmal aber kaum Aktionen in Richtung Tor hatte und letztlich ohne Treffer blieb. „Wir haben heute einfach überhaupt nicht ins Spiel gefunden und nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, erklärte Schneider. Als Vorteil für die HSG wertete er, dass die Mannschaft schon seit mehreren Jahren in dieser Besetzung zusammenspielt, wollte dies aber nicht als Ausrede nutzen: „Wir haben deutlich aufgezeigt bekommen, wie schwierig es ist, wenn man nicht direkt zu 100 Prozent im Spiel ist. Das kann man sich in der 2. Bundesliga einfach nicht erlauben. In der zweiten Halbzeit sind wir dann zwar besser ins Spiel gekommen, verkürzen auf vier Treffer, weil wir vieles besser gemacht haben, aber schaffen es wegen individueller Fehler nicht das Spiel komplett zu kippen.“ Zwar sollte das Spiel in Lingen als mahnendes Beispiel für die Eintracht gelten, aber „wir müssen es auch schnell aufarbeiten und dann abhaken, denn am Mittwoch kommt Saarlouis, dann spielen wir Samstag in Springe – da sind zwei Endspiele, da geht es um die ‚Big Points’“, analysiert der Halblinke.
Auch für Marc Strohl (21) lag der Schlüssel zur Niederlage in dem schlechten Start seiner Mannschaft begründet. „Warum wir nicht richtig ins Spiel gekommen sind? Wir haben zu wenig Druck auf das Tor gebracht, sind zu wenig in die Nahtstellen gekommen, haben wegen unserer schwachen Abwehrleistung auch kein Tempo aufnehmen können“, führt der Rückraumspieler noch detaillierter als Schneider aus. Damit habe die Mannschaft komplett gegensätzlich zum ursprünglichen Plan agiert: „Wir wollten eigentlich hohen Druck aufbauen, vorne wie hinten. Aber die ersten 18 Minuten waren einfach gar nichts. Dann haben wir stark gespielt, die Chancen über die zweite Welle genutzt – damit können wir punktuell ganz zufrieden sein. In der zweiten Halbzeit war es ähnlich, erst herangekämpft, dann Negativlauf, dann wieder herangekämpft. Aber so ein Negativlauf ist in der zweiten Liga eben tödlich.“ Dennoch ist dem Abwehrspezialisten nicht bange vor den kommenden Aufgaben. „Jetzt kommt das nächste Spiel, diese Situation hatten wir nach der deftigen Pleite gegen Coburg auch – und haben dann gezeigt, dass wir auch anders können. Wir müssen uns jetzt vom Trainerteam die Fehler aufzeigen lassen und uns dann an die Arbeit für das nächste Spiel machen.“
Ebenfalls extrem kritisch bewertete auch der stellvertretende Mannschaftskapitän Julian Renninger (23) die Niederlage. Dabei nahm der Kreisläufer kein Blatt vor den Mund: „Wenn man in 27 Minuten 4:19 spielt, dann kann man in der 2. Bundesliga einfach kein Spiel gewinnen. Wir sind pausenlos einem Rückstand hinterhergerannt. Uns hat die Aggressivität gefehlt, um enger heranzukommen und noch die Wende zu schaffen. In diesem Bereich hat uns Nordhorn vorgemacht, wie es geht.“ Außerdem war Renninger das mangelhafte Tempospiel ein Dorn im Auge: „Wir hatten uns konsequentes Tempo vorgenommen, was leider weitestgehend nicht funktioniert hat. Das ist vor allem deshalb sehr ärgerlich, da wir meistens zum Erfolg gekommen sind, wenn wir Tempo aufnehmen konnten.“
Im ersten Abschnitt war Jürgen Müller (28) mit sechs Paraden in zwölf Minuten einer der entscheidenden Faktoren dafür, dass die Hagener überhaupt noch einmal herankamen, ehe ihn Fortuna im zweiten Abschnitt verließ, und er den Posten im Kasten wieder für Tobias Mahncke (30) räumen musste, der am Ende auf zehn gehaltene Bälle blickte. Müller reihte sich in die kritische Haltung seiner Vorredner ein, merkte aber auch an, dass „wir trotz des hohen Rückstandes eine gute Moral gezeigt und uns herangekämpft haben.“ Zudem unterstrich der Torhüter, dass der VfL die Partie trotz der neuerlichen Probleme zu Beginn des zweiten Abschnitts „ambitioniert zu Ende gespielt“ hat – „so konnten wir das Ergebnis wenigstens einigermaßen erträglich gestalten.“
Vorschau: VfL Eintracht Hagen – HG Saarlouis
Vertraut man auf die allgemeingültige Einschätzung vor Saisonbeginn, so waren die ersten sechs Spieltage für die Zweitliga-Handballer des VfL Eintracht Hagen aufgrund der hohen Qualität der Gegner so genannte „Bonusspiele“, während der Abstiegskampf nun erst richtig beginnt. „Jetzt stehen die wirklich schweren Wochen an, wir spielen nun gegen die vermeintlichen direkten Konkurrenten“, erklärt Trainer Lars Hepp. Doch dessen Einschränkung „vermeintlich“ verdeutlicht die Krux an der Einschätzung vor Saisonstart: Die 2. Bundesliga erweist sich als noch ausgeglichener als angenommen, so auch im Bezug auf den kommenden Gegner, die HG Saarlouis, die am Mittwoch, 20 Uhr, in der Enervie Arena antreten. Denn die Gäste, denen ohne Lizenz-Gerangel in den beiden höchsten deutschen Spielklassen den Gang in die 3. Liga bevorstand, weisen nach sechs Spieltagen ebenso 6:6 Punkt auf wie die Hausherren. Vor heimischer Kulisse weisen die Saarländer bislang eine makellose Bilanz auf. Völlig im Gegensatz dazu steht die Ausbeute in der Fremde, doch die bisher 0:6 Punkte täuschen leicht darüber hinweg, dass die Mannschaft von Heine Jensen jeweils gut mitspielte und Zählbares durchaus in Reichweite hatte. Daher betont Hepp auch, dass seine Farben nur „dann eine Chance haben, wenn wir einheitlich denken, einheitlich auftreten, einheitlich in eine Richtung marschieren.“ Gegen Coburg und zuletzt in Nordhorn präsentierte sich die Mannschaft über weite Phasen nicht als Einheit – die Ergebnisse sind bekannt. Daher hofft der Trainer auf einen Lerneffekt seiner Sieben, die nun vor einer ähnlichen Situation steht wie nach dem Coburg-Spiel: „Die Mannschaft muss nun zeigen, dass sie es auch anders kann.“ Dabei müssen Abwehrchef Pavel Prokopec und Co. ein besonderes Augenmerk auf den Rückraum der Gäste legen, der das Prunkstück der Saarländer ist. Jonas Faulenbach, Ibai Meoki-Etxebeste und Jerome Müller bringen allesamt eine hohe individuelle Qualität mit. Personell kann Hepp aus dem Vollen schöpfen, erneut sind alle Akteure außer Milan Weißbach (Achillessehnenriss) an Bord.
Randnotizen:
Karten für die Heimspiele des VfL können neben der Eintracht-Geschäftsstelle auch bei Juwelier Goldrichtig im Erdgeschoss der Volme Galerie sowie bei Sport Duwe in Gevelsberg im Vorverkauf erworben werden. Beim kommenden Auswärtsspiel bei den HF Springe setzt der Fanclub Crocodiles Hagen zudem einen Fanbus ein. Interessierte wenden sich via Facebook an den Fanclub.
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