In Lüdenscheid hat der Begriff „Lückenschluss“ eine besondere Bedeutung

Das Team der Autobahnmeisterei Lüdenscheid – © Autobahn Westfalen GmbH

Lüdenscheid. (PM Autobahn Westfalen GmbH) Aufatmen. Das beschreibt die Gefühle nach der Freigabe des ersten Teilbauwerks der Talbrücke Rahmede bei den Kolleginnen und Kollegen der Autobahnmeisterei Lüdenscheid wohl am treffendsten.

Aufatmen nach vier Jahren Anspannung, Ärger, Anfeindungen und vor allem Arbeiten mit einer Lücke im Autobahnnetz.

Deutschlands berühmteste Brücke hat die vergangenen Jahre in der Meisterei geprägt, doch will Meistereileiter Jens Kaminski das Thema nicht in den Mittelpunkt stellen. „Die Sperrung hat uns alle getroffen – in vielerlei Hinsicht“, sagt der Lüdenscheider, bei dem natürlich auch privat immer wieder die Brücke im Mittelpunkt der Gespräche stand. Warum musste gesperrt werden? Was passiert jetzt? Warum geht es nicht schneller? Wann wird freigegeben? Fragen, die den Mitarbeitenden der Meisterei immer wieder gestellt wurden, „und die wir nicht beantworten konnten“, sagt Kaminski. „Wir konnten nur immer wieder darauf hinweisen, dass alles dafür getan wird, den Verkehr so schnell wie möglich wieder auf die Autobahn zu bringen.

Jetzt, wo der Verkehr wieder rollt, die Lücke also geschlossen ist, hat es für einige Straßenwärter – und seit kurzem eine junge Frau, die die Ausbildung zur Straßenwärterin absolviert – ein Aha-Erlebnis gegeben. „Wir haben wieder Verkehr auf der 45“, sagt Jonas Reeke, der als stellvertretender Meistereileiter seit Oktober in Lüdenscheid zum Team gehört. „Kindergarten“, so frotzelten während der Sperrung manche Kollegen aus angrenzenden Bezirken, wenn sie über das Verkehrsaufkommen auf der A45 sprachen. „Wir haben da sehr aufmerksam drauf geschaut, als es wieder lief“, sagt Jens Kaminski. Man gewöhne sich an die Ruhe – und das ist gefährlich.

Kaminski erinnert sich an die Zeiten, als die „Ruhe“ normal war. 1989 hat er als Azubi in Lüdenscheid angefangen. Zeiten, zu denen die Lkw mit Zwischengas gefahren wurden und Kupplung wie Lenkung das Fitnessstudio überflüssig machten. „Das war Mechanik pur“, sagt er. Heute – gut 35 Jahre später – wird alles elektronisch gesteuert. „Fluch und Segen“, nennen es Kaminski und Reeke, wenn sie von den modernen Fahrzeugen mit Touchscreen und LED-Tafeln sprechen. „Gab es früher ein Problem, konnte das zum Teil von den Kollegen auf der Strecke gelöst werden“, sagt der Meistereileiter. Spätestens auf der Meisterei bekamen sie die meisten Fahrzeuge wieder flott. „Heute wird der Wagen abgestellt und erst einmal ein Ersatzteil für die Elektronik bestellt.“ Auf der anderen Seite ist eine Steuerung des Winterdienstequipments am Lkw über den Touchscreen im Führerhaus eine enorme Erleichterung. Hier war früher Aussteigen und Handarbeit nötig.
Doch zurück zum Verkehr und den Strecken, für die die AM Lüdenscheid zuständig ist. Die Königin der Autobahnen gehört dazu – Kaminski nennt sie auch das Einfallstor zum Sauerland. Das halbe Ruhrgebiet machte sich früher (und tut es aktuell auch) an den Winterwochenenden auf, um zum Schlittenfahren nach Lüdenscheid zu kommen. Mit Sommerreifen! „An der Brunsbecke hat es sie dann in der Regel erwischt“, erinnert sich Kaminski. Dort gebe es eine Wetterscheide: Im Norden Regen, im Süden Schnee. Und noch weiter auf der A45 wird es mit dem Winter auch heute noch kritisch. „Unsere Strecken reichen von etwa 100 Meter Höhe an der Lennetalbrücke bis nach Baberg mit 539 Metern über dem Meeresspiegel. Dort kommt der Winter zuerst.“

Die lange Steigung von Hagen in Richtung Frankfurt war zu Zeiten, als Winter noch Winter waren, die kritischste Strecke. Eine Taumittel-Sprühanlage über sieben Kilometer sollte hier Abhilfe schaffen. Ein Pilotprojekt, das zum Start herausragende Bedeutung hatte, mit den Jahren aber sowohl aus technischer Sicht als auch unter ökologischen Aspekten vom modernen Fuhrpark quasi überholt wurde. Sole und Salz wird heute dosierter und präziser auf die Strecke gebracht, als es die Sprühköpfe rechts und links der Fahrbahn konnten. Die Anlage ist inzwischen außer Betrieb.
Brücken, Brücken, Brücken heißt es heute mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur. Ein Lied, das die Lüdenscheider nicht erst seit der Rahmede mitsingen können. „Die Brücken waren und sind hier sicher eine der besonderen Herausforderungen“, sagt Kaminski. Beim Blick auf die Vergangenheit wird es unter dem Stichwort „Lückenschluss“ gruselig. Der Meistereileiter erzählt von zahlreichen Unfällen, bei denen Lkw durch die Schutzeinrichtungen der Brücken krachten und ins Tal stürzten. Den letzten Unfall dieser Art hat er selbst miterlebt. Kletterte in der Nacht ins Tal, nachdem auf der Brücke Homert in Planke und Geländer eine riesige Lücke klaffte. „Zum Glück hat der Fahrer überlebt“, sagt der 52-Jährige rückblickend. Ein schrecklicher Unfall, der dem Lüdenscheider einen Besuch in Hans Meisers Sendung „Notruf“ einbrachte. „Dafür wurde der Unfall extra an der A46 nachgedreht.“

Die Schutzplanken auf den Bauwerken sind längst so verstärkt, dass sie auch bei schweren Unfällen standhalten. Auch diese Lücken sind also geschlossen. Die Brücken bleiben bei den AM-Kollegen dennoch im Blick – im ganz normalen Tagesgeschäft. Die Übergangskonstruktionen sind hier in der Höhe nicht nur der mechanischen Belastung ausgesetzt – auch die extremen Temperaturen und das Salz lassen die technischen Bauteile verschleißen. Die Kontrollfahrten der Meistereien sind wichtig, aber immer nur Momentaufnahmen. „Ein weiteres Monitoring liefern hier die Anwohner. Die melden sich sofort, wenn sich eine Brücke anders als gewohnt anhört.“

Und damit noch einmal zurück zu „der“ Brücke. Dass eine Strecke komplett gesperrt wird, hat es so noch nicht gegeben. Für die Lüdenscheider AM bedeutete dies, dass für den Winterdienst auf der A45 in Richtung Hagen und auf der A46 bis Hemer ein Stützpunkt nördlich der Talbrücke Rahmede eingerichtet werden musste. Und im normalen Betriebsdienst gehörte der Blick auf die Uhr seit der Sperrung zum Tagesgeschäft: Man musste immer den Rückweg einberechnen, der auf der Autobahn und in Lüdenscheid nicht selten im Stau endete. Jens Kaminski kann nach vier Jahren Sperrung ganz gelassen über diese Herausforderungen sprechen. Und zitiert einen Spruch, den die AM über Jahrzehnte in vielen Bereichen begleitet hat: „In Lüdenscheid war schon immer alles anders!“
Damit das so bleibt und junge Mitarbeitende neue Ideen einbringen, bildet die Meisterei konsequent aus und versucht die jungen Kräfte dann auch im Team zu halten. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren stark verjüngt. Und der Wechsel geht weiter und zeigt sich bei Jonas Reeke, der mit 24 Jahren diese Meisterei stellvertretend leitet”, sagt Jens Kaminski nicht ohne Stolz auf sein Team.

Infokasten
Die Autobahnmeisterei Lüdenscheid ist zuständig für
67 Autobahnkilometer,
1 Autobahnkreuz,
14 Anschlussstellen,
2 Tank- und Rastanlagen,
10 PWC-Anlagen (Parkplatz mit WC),
25 Talbrücken.

Die betreuten Strecken liegen in Schwerte, Hagen, Iserlohn, Hemer, Schalksmühle, Lüdenscheid, Meinerzhagen und Drolshagen.

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