Rassistische Vorfälle beim DFB-Pokal

Christopher Antwi-Adjei – © Sportfoto-Sale (MK

Bonn. (PM Roots) In mindestens zwei Spielen in der ersten Runde des DFB-Pokals kam es zu rassistischen Vorfällen:
Beim Spiel von Schalke wurde ein Spieler rassistisch beleidigt. Das Spiel wurde unterbrochen – im offiziellen Bericht ist jedoch lediglich von „wohl“ die Rede.

Der betroffene Spieler wurde anschließend über die gesamte Partie hinweg ausgepfiffen. Auch in Stahnsdorf kam es zu rassistischen Rufen und
Anfeindungen. Der Täter wurde später zwar identifiziert und des Feldes verwiesen, aber der Schiedsrichter unterbrach das Spiel dafür nicht. Der Umgang mit den Vorfällen deutet auf Kompetenzdefizite im Umgang mit Rassismusvorfällen in Fußball-Deutschland.

Wir haben es nicht mit „Einzelfällen“ zu tun, sondern mit einem strukturellen Problem. „Seit Jahren erleben wir dasselbe Muster: ein Vorfall, dann Relativierung, dann Schweigen. Aber Rassismus im Fußball ist kein Unfall und kein Randphänomen – er ist systemisch. Solange wir von ‚Einzeltätern‘ und ‚einzelnen Vollidioten‘ sprechen, bleibt das System unberührt. Um das System zu verändern, muss Anti-Rassismus von DFB und DFL endlich zur Chefsache erklärt werden,“ sagt ROOTS-Präsident Otto Addo.

Der organisierte Fußball hat sich in den vergangenen Jahren mit verschiedenen DemokratieMaßnahmen auch die Anti-Rassismusarbeit auf die Fahnen geschrieben. Dazu sagt ROOTSVizepräsidentin Rachel Etse: „Leider besteht sie zu oft aus leeren Worthülsen. Im Ernstfall werden die Werte nicht gelebt, weil im Umgang die nötigen Kompetenzen fehlen. Die Kompetenzdefizite in der Anti-Rassismusarbeit sind in Vereinen, Verbänden, Stadien, aber auch in den Medien deutlich erkennbar.“

ROOTS-Vizepräsident Younis Kamil teilt diesen Eindruck und untermauert, dass der Trend in die verkehrte Richtung zeigt: „Die Vorfälle in Leipzig und Stahnsdorf legen offen, dass der deutsche Fußball bisher keine nachhaltig wirksamen Antworten auf Rassismus liefert. Der Trend deutet dabei auf einen Anstieg statt Abstieg der rassistischen Vorfälle hin. Das melden uns Vereine, Verbände und Spieler:innen. Erst Anfang August hat beispielsweise der Berliner FußballVerband ein Lagebild zu Diskriminierungsvorfällen mit erschreckenden Zahlen herausgebracht, der auf die Alltäglichkeit von Rassismus durch Zuschauer:innen deutet. “

ROOTS bietet Kompetenzentwicklung für Verbände, Vereine, Spieler:innen – und auch für Medienhäuser. Es begleitet in der Krisenkommunikation, in der strukturellen Optimierung und Prävention, damit sich das Muster von Verharmlosung und Schweigen endlich durchbricht. So kann der organisierte Fußball seine proklamierten Werte wirklich mit Leben füllen und Spieler:innen ihr maximales Potenzial ausschöpfen.

ROOTS fordert:
• Klare Benennung und Ahndung rassistischer Vorfälle. Kein „wohl“ & kein Relativieren.
• Strukturelle Präventionskonzepte auf allen Ebenen des Fußballs.
• Verbindliche Krisenstrategien und Unterstützungssysteme für Vereine, Verbände und Medien.
• Wirkungsanalysen bestehender „Demokratie-Maßnahmen“ im Bereich Strategie, Strukturaufbau und Kommunikation.
• Schutz, Solidarität und Empowerment für Betroffene statt Relativierung durch Institutionen.
• Anti-Rassismusarbeit von Betroffenen für Betroffene
• Bestehende Anti-Rassismusarbeit (z.B. beim DFB) mit Ressourcen stärken, ausweiten und – vor allen Dingen – priorisieren.


Rot-Weiss Essen verurteilt Rassismus und wünscht Yan Couto schnelle Genesung

RWE-Vorstand Alexander Rang: „Als Verein stehen wir klar an der Seite unseres Spielers und werden uns weiterhin mit aller Kraft gegen Rassismus einsetzen.“

Essen. (PM RWE) Beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund (0:1) am Montagabend im Stadion an der Hafenstraße kam es kurz vor Spielende zu einer unschönen Szene: Unser RWE-Spieler Kelsey Owusu beging ein hartes Foul an BVB-Profi Yan Couto, der sich dabei verletzte. Diese Aktion war unnötig und ist Ausdruck von Übermotivation in einer intensiven Schlussphase des Spiels.

Wir möchten an dieser Stelle klarstellen: Wir alle bei Rot-Weiss Essen bedauern dieses Foul und wünschen Yan Couto eine schnelle Genesung. Dass er laut Informationen von Dienstagnachmittag lediglich eine Knieprellung erlitt, freut uns. Wichtig auch: Kelsey Owusu hat sich sowohl auf dem Platz als auch später in der Gästekabine bei Yan Couto persönlich für sein Foul entschuldigt.

Gleichzeitig stellen wir fest: Was im Nachgang des Spiels in den Sozialen Medien passiert ist, überschreitet jede Grenze. Kelsey Owusu ist Teil unserer Mannschaft und unseres Vereins. Er hat in dieser Szene einen Fehler gemacht, aber er ist weder ein unfairer Spieler noch darf er Ziel von Hass und Hetze werden. Besonders die rassistischen Anfeindungen, die er am Montagabend und in der Nacht zu Dienstag in den Sozialen Medien ertragen musste, sind absolut inakzeptabel.

Rot-Weiss Essen hat eine klare Haltung: Rassismus hat weder auf dem Fußballplatz noch in unserer Gesellschaft einen Platz. Wenn ein Spieler aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt wird, ist nicht er der Täter – sondern das Opfer. Wir werden uns als Verein schützend vor unsere Spieler stellen und jede Form von Diskriminierung entschieden verurteilen.

Aufgrund der Masse an beleidigenden und obszönen, unsachlichen Nachrichten sahen wir uns dazu gezwungen, die Kommentarfunktion u.a. unter einem Beitrag auf unserem RWE-Instagram-Kanal kurzfristig zu deaktivieren. Aufgrund vieler diskriminierender Beleidigungen entschied sich zudem Kelsey Owusu dazu, sein persönliches Instagram-Profil zu deaktivieren.

Alexander Rang, Vorstandsmitglied von Rot-Weiss Essen: „Wir entschuldigen uns bei Yan Couto und wünschen ihm alles Gute. Gleichzeitig machen wir deutlich: Fehler auf dem Platz dürfen niemals ein Freifahrtschein für Hass, Hetze und rassistische Anfeindungen sein. Als Verein stehen wir klar an der Seite unseres Spielers und werden uns weiterhin mit aller Kraft gegen Rassismus einsetzen.“

Rot-Weiss Essen ruft alle Beteiligten und insbesondere die Fußball-Community dazu auf, bei allem sportlichen Wettbewerb das gemeinsame Miteinander nicht aus den Augen zu verlieren. Fußball lebt von Leidenschaft – aber er braucht Respekt, Fairness und Menschlichkeit.

Rot-Weiss Essen ist ein Verein, der mitten im Ruhrgebiet zuhause ist – in einer Stadt, die geprägt ist von Zusammenhalt, Herkunft, Wandel und einem tiefen sozialen Miteinander. Und RWE ist ein Spiegel dieser Stadt. Die Vereinssatzung verpflichtet RWE zu Respekt, Toleranz und einem klaren Nein zu Ausgrenzung und Diskriminierung – auf den Tribünen, auf dem Platz und in der Gesellschaft. Das ist kein Trend, das ist Haltung.

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