
© Stadt Iserlohn
Iserlohn. (PM Stadt Is.) Nachdem eine Jugendgruppe Ende August – gemeinsam mit Bürgermeister Michael Joithe und Begleitpersonen u. a. aus der städtischen Abteilung Jugendarbeit (erzieherischer Jugendschutz) der Stadt Iserlohn – „auf den Spuren von Erwin Schlünder“ an einer Gedenkstättenfahrt nach Albinea in der Region Emilia-Romagna (Italien) teilnahm, ist als Ergebnis eine multimediale Ausstellung entstanden.
Unter dem Titel „Unsere Visionen für ein freiheitlich-demokratisches Europa – aus der Vergangenheit in die Gegenwart für die Zukunft lernen!“ wurde die Ausstellung am Freitag, 18. September, in der Reformierten Kirche eröffnet.
Rund 50 Gäste waren gekommen, um die Plakate, Fotocollagen und Wortbeiträge in dieser besonderen Atmosphäre zu erleben. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Iserlohn Heinz Balkenhoff begrüßte das Publikum mit einleitenden Worten. Auch der Neffe des damals 22-jährigen Iserlohner Wehrmachtssoldaten, Bernd Schlünder, erinnerte an die mutigen Taten seines Onkels und betonte in einer Ansprache die gewachsene historische Freundschaft zwischen Iserlohn und der norditalienischen Stadt Albinea. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage mit eigens komponierten Klavierstücken von Elif Tanriöver.
Bis Samstag, 3. Oktober, wird die Ausstellung in der Reformierten Kirche präsentiert. Ab Dienstag, 6. Oktober, wandert sie in die Volkshochschule (VHS) Iserlohn und endet mit einer Finissage am Donnerstag, 15. Oktober, um 18 Uhr im Fanny-van-Hees-Saal der VHS Iserlohn (Bahnhofsplatz 2). Für die Teilnahme an der Finissage wird um Anmeldung gebeten, online auf der Webseite der VHS Iserlohn, www.vhs-iserlohn.de, unter der Kursnummer 262_11140.
Multimediale Kunstobjekte vermitteln Eindrücke der Fahrt
Schon die Fußabdrücke am Eingang der Reformierten Kirche leiten Gäste „auf die Spuren von Erwin Schlünder“. Links und rechts der Kanzel zieren große Banner die Reformierte Kirche mit der Kernbotschaft „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Faschismus“.
Insgesamt 62 Exponate haben die Jugendlichen in Rekordzeit von nur drei Wochen für die Ausstellung erstellt und zusammengetragen. Zu sehen sind die von der Gruppe besuchten Orte des Verbrechens und des Widerstands – wie zum Beispiel die Villa Calvi und die Villa Rossi, in denen die deutsche Wehrmacht stationiert war und in denen Erwin Schlünder seine letzten Tage verbrachte. Aufgeteilt ist die Ausstellung in vier Bereiche: Verbrechen, Widerstand, Erinnerung und Zukunft. Gleichzeitig wird so auch der Weg des Projekts nachgezeichnet.
Die Idee zur Ausstellung war auf Initiative der Jugendlichen entstanden – besonders das Wissen, dass Erwin Schlünder nicht älter als sie selbst geworden ist, bedrückte viele. Ihre Emotionen, Gedanken und Wünsche für die Zukunft haben die 15- bis 21-Jährigen in multimediale Kunstobjekte verwandelt. Einer ihrer größten Wünsche ist es, dass die historisch gewachsene Freundschaft zwischen Iserlohn und Albinea sich auf Dauer zu einer offiziellen Städtefreundschaft entwickelt.
Jugendliche nehmen Anteil an der Geschichte von Erwin Schlünder
„Die Geschichte von Erwin Schlünder vor Ort kennenzulernen, hat gezeigt, wie viel stärker Geschichte wirken kann, wenn man an den Orten steht, an denen sie tatsächlich passiert ist“, resümierte die 21-jährige Teilnehmerin Zahide nach der Fahrt.
Erwin Schlünder wurde 1921 in Iserlohn geboren. Der Mann, der als Soldat im August 1944 in Italien stationiert war, leistete gemeinsam mit vier weiteren Kameraden im dortigen Albinea aktiven Widerstand gegen das Unrechtsregime der Nationalsozialisten, indem er mit den italienischen Partisanen kollaborierte. So wollte er in diesem Teil Italiens das sinnlose Töten durch die deutsche Wehrmacht und die Waffen-SS beenden.
Für diesen Plan musste Erwin Schlünder mit seinem Leben bezahlen: Am 27. August 1944 wurde er von einem Exekutionskommando hingerichtet. Im März 1995 wurden Erwin Schlünder und seinen vier Kameraden dann posthum die Ehrenbürgerschaft der italienischen Gemeinde Albinea verliehen.
An der Gedenkstättenfahrt und anschließenden Ausstellungskonzeption hatten sich 19 junge Menschen beteiligt, gefördert mit Landesmitteln aus dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW).
! NEU ! Immer mehr Nutzerinnen und Nutzer haben den WhatsApp-Kanal von Regional-Stimme.de abonniert. Melde dich jetzt an und erhalte regelmäßig aktuelle Nachrichten!
Regional-Stimme · Das gemeinsame Portal von Iserlohner-Nachrichten und Sport-Stimme Lokales, Regionales und Sport aus Iserlohn, dem Märkischen Kreis und NRW
