Märkischer Kreis stärkt Prävention vor häuslicher Gewalt

Auf dem Foto zu sehen sind: hintere Reihe: Alexandra de Hek Schirra, Nathalie Kompernaß (beide Jugendamt Lüdenscheid) und Britta Lemke (Jugendamt Märkischer Kreis) Vordere Reihe: Jochen Becker und Silke Menn-Quast (beide Träger BRÜCKE Siegen) und Fachdienstleiterin Silke Hufenbach (Jugendamt Märkischer Kreis). – © Märkischer Kreis

Märkischer Kreis. (pmk) Häusliche Gewalt ist längst kein privates Problem mehr.

Sie betrifft Partnerschaften, Familien und auch Kinder, die Gewalt miterleben oder selbst von ihr betroffen sind. Der Märkische Kreis baut deshalb gemeinsam mit der Stadt Lüdenscheid sein Hilfesystem im Bereich Gewaltprävention weiter aus. Ab Juni bietet die BRÜCKE Siegen e.V. das „Training zur Vermeidung Häuslicher Gewalt“ erstmals auch in Lüdenscheid an. Mit dem neuen Standort wird eine bestehende Versorgungslücke im Märkischen Kreis geschlossen.

Das Programm richtet sich an erwachsene Männer, die gegenüber ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt haben. Die Teilnahme kann freiwillig erfolgen oder durch Jugendämter, Gerichte, Polizei oder Beratungsstellen vermittelt werden. Rund 85 Prozent der Teilnehmer in Täterprogrammen sind Väter, weshalb auch die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder und familiäre Beziehungen ein zentraler Bestandteil der Arbeit sind.

Inhaltlich basiert das Programm auf den Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e. V. (BAG TäHG). Im Vorfeld finden mehrere Einzelgespräche statt, in denen die persönliche Situation, mögliche Risikofaktoren sowie die Motivation der Teilnehmer geklärt werden. Anschließend nehmen die Männer über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten regelmäßig an Gruppensitzungen teil. Thematisiert werden unter anderem Gewaltmuster, Konfliktlösungsstrategien, Emotions- und Impulskontrolle, Kommunikationsverhalten, Rollenbilder sowie die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Partnerinnen und Kinder. Ergänzend werden Strategien zur Rückfallvermeidung und konkrete Notfallpläne für Krisensituationen erarbeitet.

Die Entwicklung der Fallzahlen der vergangenen Jahre zeigt, dass häusliche Gewalt ein relevantes gesellschaftliches Problem darstellt. Auch im Märkischen Kreis und in Lüdenscheid spiegeln sich Entwicklungen wider, die landes- und bundesweit beobachtet werden. So gingen im Jahr 2025 im Märkischen Kreis insgesamt 432 Meldungen im Bereich Kindeswohlgefährdung ein. Davon standen 102 Fälle im Zusammenhang mit Meldungen, die durch Justizbehörden, insbesondere durch Polizeibehörden, erfolgten. Die häufigsten Gefährdungsformen waren körperliche und psychische Misshandlung, welche häusliche Gewalt einschließen. In Lüdenscheid waren es im vergangenem Jahr 72 Fälle bei insgesamt 370 Meldungen. Besonders häufig wurden dabei Konflikte zwischen Elternteilen sowie Gewalt gegen Kinder erfasst. Die Meldungen erfolgten überwiegend durch Polizei, medizinische Einrichtungen, Schulen sowie durch Angehörige oder Personen aus dem sozialen Umfeld.

Der Märkische Kreis und die Stadt Lüdenscheid setzen mit dem Angebot der BRÜCKE Siegen e. V. bewusst auf einen weiteren Baustein im Gewaltschutz. Dabei gilt: Täterarbeit ersetzt keinen Opferschutz, sie ergänzt ihn. Das Ziel bleibt jedoch klar: Gewalt nachhaltig reduzieren, Verantwortung bei den Tätern einfordern und die Sicherheit von Frauen und betroffenen Kindern langfristig stärken.

Weitere Informationen zum Thema Täterarbeit:
• Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW: Förderung von Täterarbeit als Mittel der Gewaltprävention: https://t1p.de/ahp24
• BRÜCKE Siegen e. V.: Training zur Vermeidung Häuslicher Gewalt (TVHG): https://www.bruecke-siegen.de/tvhg

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