Teamcheck der Roosters: In dieser Saison sind sie “reif” …

Iserlohn.Über die vergangene Saison möchte in Iserlohn eigentlich niemand mehr viele Worte verlieren. Wieder einmal hatte man denkbar knapp die Playoffs verpasst.

 

Noch im Winter hatte man sich mit Trainer Doug Mason schnell auf eine Vertragsverlängerung und ein sportliches Konzept verständigt. Klubchef Brück hatte angekündigt in den kommenden Jahren häufiger in den Playoffs vertreten zu sein, als es nicht zu sein. Den vollmundigen Ankündigungen ließen die Sauerländer Taten auf dem Transfermarkt folgen, die viele vor fünf Monaten nicht für möglich gehalten hätten. Mit der Rückkehr von Mike York, der Vertragsverlängerung mit Michael Wolf oder den Verpflichtungen der NHL-erfahrenen Cullimore oder Caron ließ man nicht nur in Südwestfalen kräftig aufhorchen. Zudem gelang es die Korsettstangen Hock, Giuliano, Hackert und Hommel weiter an den Klub zu binden.

 

Der Kader:

 

Tor:
Sébastien Caron:
Die neue Nummer eins im Kasten der Roosters wird vermutlich einer der wenigen Goalies in der Liga sein, der – vorausgesetzt er ist gesund – fast alle Spiele bestreiten wird. Er deutete in der Vorbereitung schon an, wie wertvoll er für das Team werden kann.
Tim Siekmann: Die bestenfalls Nummer zwei im Tor muss zeigen, dass er Caron auch mal würdevoll vertreten kann. Ob es bei ihm schon zu DEL Niveau reicht bleibt abzuwarten.

 

Abwehr:
Brett Skinner: Der US-Boy soll auch offensiv Akzente setzen, den Spielaufbau verbessern und einen klugen „ersten Pass“ spielen. Bringt ein Jahr Erfahrung aus Russlands KHL mit nach Iserlohn.
Derek Peltier: Der laufstarke Verteidiger könnte eine Art „Mr. Zuverlässig“ in der Abwehr werden. Kommt aus der AHL von den Peoria Rivermen.
Lasse Kopitz: Geht nach seiner Rückkehr in seine zweite Saison am Seilersee. Hat sich in der abgelaufenen Serie zusehends gesteigert. Wird hauptsächlich Defensivaufgaben erfüllen. Ist aber bei personellen Engpässen auch vielseitig verwendbar.
Stefan Langwieder: Konnte das in ihn gesetzte Vertrauen vor allem in der zweiten Saisonhälfte der vergangenen Spielzeit schon etwas zurückzahlen. Besticht vor allem durch sein großes Engagement. Ist sich für keine „Drecksarbeit“ zu schade.
Mark Ardelan: Man war nicht zufrieden mit ihm und verlängerte trotzdem. Nun steht Ardelan vor allem konditionell in der Bringschuld. Stimmt die Fitness, dann ist er definitiv ein Gewinn für die Roosters und die Liga.
Jassen Cullimore: Der „Kleiderschrank“ mit über 800 NHL-Spielen auf dem Buckel. Wird im Dezember 39 Jahre jung, wirkt aber körperlich und läuferisch jünger. Nimmt er die Herausforderung DEL im Kopf an, dann darf man sich auf ihn und seine krachenden Checks freuen.
Dieter Orendorz: Der „Jungspund“ in der Abwehr sammelt beim Oberligisten Dortmund per Förderlizenz Spielpraxis, wird bei den Roosters mittrainieren und immer dann zu Einsätzen kommen, wenn Not am Man ist.

Jassen Cullimore soll vor dem Tor aufräumen.- © by Media

 

Sturm:
Michael Wolf: Über ihn ist eigentlich alles geschrieben und gesagt. Der Torjäger konnte den Verlockungen der Konkurrenz widerstehen und bleibt bis 2015 am Seilersee. Ist längst eine Integrationsfigur im Team und für die Fans die Identifikationsfigur schlechthin.
Thomas Holzmann: Kam aus Hamburg an den Seilersee. Technisch beschlagen, hat in der Vorbereitung schon gezeigt, dass er nicht nur in der vierten Reihe einsetzbar ist.
Jeff Giuliano: Die Arbeitsbiene im Team. Geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Deshalb auch bei den Fans zu Recht sehr beliebt.
Colton Fretter: Kam nach dem Aus der Kassel Huskies über den Umweg Italien nach Iserlohn. Gilt als Torjäger und könnte eine der positiven Überraschungen werden.
Tobias Wörle: Hat sich bei den Roosters zurück in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gespielt. Robuster und laufstarker Stürmer.
David Spina: Iserlohn ist seine erste Europastation. Gilt als guter Skater mit gutem Auge.
Jeff Cowan: Kam als Ersatz für Jimmy Roy zum Team. Bringt immerhin Erfahrung von 434 NHL-Spielen mit. Der fast 35- jährige wird das körperliche Element sicherlich stark beleben.
Michael Hackert: Hatte zuletzt oft Pech mit Verletzungen. Bleibt er verletzungsfrei, dann könnte der Techniker auch bald wieder zum festen Kreis der Nationalmannschaft gehören.
Christian Hommel: Der „Krieger“ im Team. Scheut keinen Zweikampf, muss in Zukunft aber auch einige „dumme“ Strafen weglassen.
Mike York: Hat schon in der Vorbereitung seine Skeptiker beruhigt. Wirkt fit und spielfreudig wie in seinen besten Tagen. Bleibt er verletzungsfrei, werden die Fans wieder viel Freude an ihm haben. Wird am Bullypunkt einer der Besten in der Liga sein.

 

Steven Rupprich: Hat sich in der zweiten Hälfte der letzten Saison für einen neuen Vertrag empfohlen und bekommen. Hat gezeigt, dass es auch gerne mal mehr als „nur“ die vierte Reihe sein darf.
Robert Hock:Nach wie vor einer der zuverlässigsten Scorer. Stellt sich oftmals auch, von vielen verkannt, in den Dienst der Mannschaft.

 

Ausblick:
Vergleicht man Abgänge mit Zugänge, dann ist die Qualität im Kader der Roosters deutlich gestiegen. Zwar haben die Roosters keine Goldader gefunden, aber etwas gestiegene Sponsoringeinnahmen und ein gutes Scouting von Manager Mende machen es offensichtlich möglich. Von den Abgängen kann man Torwart Manny Legace und Verteidiger Prestin Ryan sicherlich eine Träne nachweinen. Sie wurden mit Sébastien Caron und Jassen Cullimore gut ersetzt.
Insbesondere Veideman, K. Sparre, Oppolzer, Kavanagh, Joseph, Paddock und Insana haben allesamt unter dem Strich zu wenig Argumente für eine Weiterbeschäftigung geliefert.
Mit Cullimore, Skinner und Peltier hat man drei Ausländer für die Abwehr neu verpflichtet. Sie sollen mit den weiterverpflichteten Langwieder, Kopitz, Ardelan und Orendorz für mehr Stabilität vor dem Kasten sorgen. Das sollte gelingen und ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg sein.

 

Im Sturm sollte man deutlich an Spielintelligenz dazu gewonnen haben. Zumindest nominell verfügen die Sauerländer nun über drei starke Reihen. Die erste Reihe um Nationalstürmer Wolf, Kapitän Hock und Arbeitsbiene Giuliano blieb zusammen. Reihe zwei bilden derzeit Wörle und Spina als Außenstürmer an der Seite von Center York. Und auch die dritte Reihe sollte in der Lage sein (entscheidende) Tore zu erzielen. „Knipser“ Fretter und der kampfstarke Cowan spielen hier mit Mittelstürmer Hackert zusammen. In der vierten Reihe werden zunächst Hommel, Rupprich und „Rohdiamant“ Holzmann zu finden sein.
Trainer Doug Mason hat von Beginn an der Vorbereitung die Rollen im Team für jeden Spieler klar definiert und seine Formationen früh festgelegt. So soll das Zusammenspiel und das Kennenlernen der Laufwege möglichst schnell verinnerlicht werden. Das imponiert und war unter Masons Vorgängern in den letzten Jahren wahrlich nicht immer so. Kurzum: Der Coach hat einen klaren (Fahr)Plan. Klasse!
Dem Saisonstart misst Mason eine besondere Bedeutung zu. Dort will man möglichst schon viele wichtige Punkte sammeln. Dabei setzt der Holland-Kanadier sich selbst ein hohes Ziel, denn ab November will er bei den Specialteams zur DEL Spitze zählen. Das wird vielleicht auch nötig sein, denn in der Vorbereitung ließ man es hier und da noch an der nötigen Disziplin vermissen.
Wie so oft und wie bei praktisch allen Teams hängt der Erfolg von vielen Faktoren ab. Passen die einzelnen Charaktere der Spieler zusammen und bilden diese eine verschworene Einheit, dann ist in diesem Jahr vieles am Seilersee möglich, denn auch die Tiefe im Kader ist auch endlich mal zu Saisonbeginn vorhanden. Zumindest erscheint das ausgegebene Saisonziel „Playoffs“ alles andere als unrealistisch.
Hat man sich allerdings „faule Birnen“ geholt, die nach „fetten“ NHL Jahren in Europa noch ein bisschen Trinkgeld einspielen möchten, dann hat man vermutlich schon im November den ersten Rückflug gebucht. Dazu soll es aber nicht kommen, denn auch bei den Fans ist die Euphorie derzeit so hoch, wie selten zuvor. Diese muss man fast schon ein wenig bremsen.
Zum Problem könnte noch die Torhüterposition werden. Was ist, wenn Stammgoalie Caron längerfristig ausfällt? Tim Siekmann blieb bislang den Nachweis der DEL-Tauglichkeit schuldig. Sollte Caron langfristig ausfallen, dann soll noch etwas Geld im Säckel sein, um gegebenenfalls nachlegen zu können.

 

Die Roosters vor der neuen Saison gezielt einzuschätzen fällt schwer. Vor allem die deutschen Spieler bringen mittlerweile viel mehr Talent mit, als noch vor einigen Spielzeiten. Für Cheftrainer Doug Mason gibt es übrigens einen Unterschied zu den Roosters aus seiner ersten Amtszeit: Gesellschafter, Sportliche Leitung und Team wollen mit aller Macht in die Playoffs. Die Fans natürlich sowieso! Mit der Erfahrung aus über 2000 NHL-Spielen im Team sollte das Erreichen der Playoffs aber fast schon Pflicht sein. In den Playoffs dürfen die Roosters dann gerne eine Kür abliefern. Für die Leute in der Region steht sowieso fest: In diesem Jahr sind die Roosters “reif” für die Playoffs … und wenn es ganz gut läuft vielleicht auch für mehr!

 

Diese Spieler der Iserlohn Roosters haben schon in der NHL gespielt:
Jassen Cullimore 812 Spiele (Vancouver, Montreal, Tampa Bay, Chicago, Florida)
Mike York 579 Spiele (New York Rangers, Edmonton, New York Islanders, Philadelphia, Phoenix, Columbus)
Jeff Cowan 434 Spiele (Calgary, Atlanta, Los Angeles, Vancouver,)
Jeff Giuliano 101 Spiele (Los Angeles)
Sébastien Caron 92 Spiele (Pittsburgh, Chicago, Anaheim)
Derek Peltier 14 Spiele (Colorado)
Brett Skinner 11 Spiele (New York Islanders)

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