Freitag , 11 September 2026

Am Telefon über Stunden massiv unter Druck gesetzt: Falsche Banker betrügen Seniorin um eine hohe Geldsumme

– © Regional-Stimme

Hemer. (ots) Betrüger haben eine Seniorin aus Hemer um eine hohe Geldsumme gebracht.

Sie wurde über Stunden am Telefon massiv unter Druck gesetzt. Die Frau kannte eigentlich die Masche der falschen Banker, hat auch richtige Schritte getan und fiel trotzdem auf den Betrug herein.

Aus Sicht der Polizei zeigt der Ablauf des Betrugs wieder, wie wichtig der erste Rat bei derartigen Anrufen lautet: „Auflegen!“ Die Polizei warnt: Am Telefon kann sich jeder für alles und jeden ausgeben. Wer sich auf solche Gespräche einlässt, der weiß nachher oft nicht mehr, wer, wann, was gesagt hat. Das verhängnisvolle Telefonat begann am Mittwoch gegen 17.45 Uhr. Auf dem Telefondisplay der Frau erschien eine Iserlohner Rufnummer, die sie für die Nummer ihrer Bank hielt. Der Anrufer gab sich als Mitarbeiter der „Sicherheitsabteilung“ aus und forderte die Frau auf, ihr Konto zu öffnen. Ihr Ehemann habe eine Fake-E-Mail geöffnet und nun stehe eine Überweisung über 25.000 Euro „in der Pipeline“. Die sicherheitsbewusste Kundin erklärte, dass sie zurückrufen wolle. Das tat sie per Tastendruck und landete nichtsahnend wieder bei dem Betrüger, statt bei der Bank. An diesem Punkt setzt die Polizei mit dem ersten wichtigen Hinweis an: Banken rufen tatsächlich bei verdächtigen Kontobewegungen an. Wer aber sichergehen will, dass sich tatsächlich die eigene Bank meldet, der sollte das Gespräch beenden und von sich aus zurückrufen – allerdings NIE die angezeigte Rufnummer. Stattdessen sollte man sich die Zeit nehmen und die Rufnummer des Kundenservice aus den vorhandenen Unterlagen oder dem Telefonbanking wählen – oder hilfsweise die im Telefonbuch stehende Zentral-Nummer der Bank heraussuchen und sich verbinden lassen. Tippen Sie per Hand die Ziffern ein!

Als sie den Betrüger erneut am Telefon hatte, ließ er die Frau die Banking-App öffnen. Er gab diverse Anweisungen, was die Frau dort tun sollte. Das Telefon ging über dreieinhalb Stunden. Am Ende sollte die Frau zu ihrer Bank gehen, um ihre „neue PIN“ abzuholen. Das Opfer war am Ende völlig fertig mit den Nerven. Was sie genau gemacht hat, konnte sie der Polizei am Tag danach gar nicht mehr sagen. Die Polizei verweist darauf, was Banken ihren Kunden immer wieder schreiben: Bank-Mitarbeiter fragen am Telefon keine TAN oder PIN ab! Die Polizei warnt noch einmal davor, am Telefon sensible Daten preiszugeben. Dazu gehören neben den Zugangs-Informationen zum Online-Banking auch Angaben zu vorhandenem Vermögen Mit diesem Telefonat war der Betrüger aber noch nicht am Ende. Am nächsten Morgen rief der angebliche Banker um 6.30 Uhr erneut an. Diesmal behauptete er, dass auch mit ihrem Sparkassen-Konto etwas nicht stimmen würde. Er nannte der Frau eine Kontoverbindung, auf die sie Geld überweisen sollte. Dann solle sie ihr Telefon ausmachen und den Stecker ziehen. Anschließend sollte sie sich bei ihrer Bank eine neue „PIN“ geben lassen. Da wurde der Frau bewusst, dass sie Betrügern aufgesessen war. Sie telefonierte mit ihrem Mann, der auf Reisen war. Der nahm Kontakt mit der Bank auf.

Auch der zweite Anruf am nächsten Morgen ist typisch. Wer einmal auf die Betrüger hereingefallen ist, der muss mit weiteren Anrufen rechnen. Deshalb ist enorm wichtig, sich anderen zu offenbaren und nicht zu versuchen, allein mit den Betrügern fertig zu werden. Wer auf Betrüger hereingefallen ist, der sollte rasch handeln, um weitere Schäden zu verhindern. Wenn der Verdacht unberechtigter Konto-Zugriffe besteht, sollte man umgehend sein Konto sperren lassen. Auf jeden Fall sollten Betroffene Anzeige bei der Polizei erstatten.

Immer, wenn es um Geld geht, sollten Betroffene den Rat eines guten Bekannten oder Familienmitglieds einholen. Dazu ist es gut, sich eine Liste mit wichtigen Rufnummern ans Telefon zu legen. Straftäter haben vor allem die ältere Generation im Blick. Im Schnitt kassieren sie mehr als einmal pro Woche bei Senioren im Märkischen Kreis ab: 61 Fälle nahm die Kreispolizeibehörde im vergangenen Jahr auf. Die Täter schockieren ihre Opfer zum Beispiel mit der Meldung über einen tödlichen Verkehrsunfall oder Einbrecher, sie geben sich als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Banker aus oder sie schlüpfen in die Rolle von Tochter oder Enkel und bitten um finanzielle Unterstützung. Oder sie verlangen Gebühren für angebliche Gewinnspiele. Die Schadenssumme in den genannten 61 Fällen lag im Durchschnitt bei 7000 Euro. Doch die Beute schießt in Einzelfällen in Millionenhöhe hoch. In vielen Fällen erkennen die ausgesuchten Opfer rechtzeitig, was die Anrufer wollen. Doch die Polizei geht von einer erheblichen Dunkelziffer aus. (cris)

! NEU ! Immer mehr Nutzerinnen und Nutzer haben den WhatsApp-Kanal von Regional-Stimme.de abonniert. Melde dich jetzt an und erhalte regelmäßig aktuelle Nachrichten!



About Regional-Stimme

Check Also

A46: Sperrung zwischen Iserlohn-Seilersee und Iserlohn-Zentrum

Iserlohn. (PM Autobahn GmbH) Die Autobahn Westfalen saniert im Bereich der A46-Brücke Baarstraße die Fahrbahn. …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert